Zweifeln und staunen – Professorin Martina Neuburger referiert im Alten Kloster

Geschrieben von Johannes Koch am .

Einen engagierten, sehr persönlichen Vortrag zum Thema „Geschichten aus Südamerika – vom Suchen, Lernen und Zweifeln einer Wissenschaftlerin“ konnten die Zuhörer vergangenen Donnerstag im gut besuchten Lichthof des Alten Klosters erleben. Martina Neuburger, die einst Abitur am Störck machte, referierte auf Einladung des Fördervereins Freunde des Störck-Gymnasiums über ihren nicht immer ganz geraden Weg zur Professur in Hamburg. Als Startpunkt ihrer akademischen Karriere nannte sie die Faszination von Bildern globaler Problemfelder. „Es gab Zeiten, da waren die Bilder von Hungernden aus beispielsweise der Sahel-Zone allgegenwärtig in den Medien“, erklärte sie. Das Elend der Menschen im so genannten globalen Süden beschäftigte die junge Martina Neuburger derart, dass sie beschloss, in der Entwicklungshilfe arbeiten zu wollen. Ihr Weg führte sie zum Studium der Geografie nach Tübingen und Rio de Janeiro. Die brasilianische Metropole sei ihr auf Anhieb überraschend vertraut gewesen, erzählte Neuburger. „Da waren Häuser wie in Deutschland, Straßen wie in Deutschland, Busse, die auf diesen Straßen fuhren. Zwar ohne Fahrplan an der Haltestelle und man musste ihnen zuwinken, damit sie einen mitnahmen“, aber alles sei ganz ähnlich gewesen wie in ihrer deutschen Heimat. Während der Untersuchung von Lebensumständen im brasilianischen Pantanal lebender Menschen entdeckte Neuburger zum ersten Mal eine große Diskrepanz zwischen „den Bildern und Vorstellungen, die ich im Kopf hatte und dem tatsächlichen Leben der Menschen vor Ort“. Es seien nicht die schwachen, hilfsbedürftigen Bauern, die sie dort antraf, sondern Familien, die mit viel Kreativität ihren Alltag meisterten, gewesen. Zu sehen, „dass die Konzepte aus dem so genannten globalen Norden an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeizielten“ weckten in ihr den Wunsch, die Situation von Ort besser zu verstehen. Deshalb beschloss sie, in Brasilien weitere Forschungsarbeiten anzustellen. Sie erzählte von ihrer Begegnung mit einem Kaffeebauern, der wegen des schlechten Kaffeepreises auf den Anbau von Papayas umstieg, „denn er hatte im Supermarkt gesehen, wie viel Geld dafür verlangt wurde“. Auch die Migrationsgeschichte der Familie Emidio faszinierten die junge Forscherin. „Immer wieder kam ich an einen Punkt, meine Stereotypen im Kopf hinter mir zu lassen und vor allem vor Ort zuzuhören“, erklärte Neuburger. Erst beim genauen Hinsehen seien ihr die wahren Gründe für die Ungleichheiten vor Ort aufgefallen. So konnten sich beispielsweise in einer Region im Süden Brasiliens vor allem private Investitionsgesellschaften das beste Land für ihre Viehzucht sichern, während auf dem staatlich vergebenen Land die Bauern um ihre Existenz fürchten mussten. Es seien Strukturen wie diese, die weltweit die Ungleichheit förderten. Immer wieder zog Martina Neuburger dabei Parallelen zu ihrem eigenen Werdegang. „In dem Alter, in dem ich promovierte, wirst du praktisch vor die Wahl gestellt, entweder Kinder oder Karriere“, so die Professorin. „Ich hatte das Glück, einen Partner zu haben, der sein Studium freiwillig verlängerte, um sich um unsere Tochter kümmern zu können“. Das Thema globaler Ungleichheiten beschäftigt Neuburger bis heute. Gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe „Kritische Geograohien globaler Ungleichheiten sucht sie nach wie vor nach Wegen, das eigene Geographie- machen zu dekolonisieren. Schließlich sei, wie es einmal ein Kollege ausdrückte, die unabhängige Wissenschaft vor allem für die Benachteiligten, für die Armen und Zurückgelassenen zuständig und nicht für die großen Konzerne, die eigene Studien jederzeit erstellen lassen können.

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